Donnerstag, März 22, 2012

Singer/Songwriter Morgan Finlay am 20.3.2012 im MuK (Gießen)

Morgan Finlay auf kleiner Bühne im MuK Gießen.
(Den Artikel über das Album Latitude gibt's hier.)

Chinese Take-Away

Ich stand das erste Mal in meinem Leben mit Begleitung auf einer sogenannten Gästeliste. Etwas aufgeregt ob dieser neuen Erfahrung spazierten wir zum MuK an der Automeile und nahmen auf dem Weg chinesisches Essen mit.

Im MuK war ein kleiner Saal mit kleiner Bühne vorbereitet. Ein paar Stuhlreihen, die Bar, hinten ein paar Tische. Auf der Bühne zwei Gitarren, die Seagull von Mr. Finlay und die Lakewood des jungen Singer/Songwriters And.I, der als Support das Vorprogramm gestaltete.

Die Gäste, kaum mehr als eine Wohnzimmerrunde beim Kaffeetrinken, trafen nach und nach ein und wurden kurz darauf von And.I musikalisch begrüßt.

Geschichtenerzähler mit Gitarre

Die Ansage eines Singer/Songwriterstücks ist fast so wichtig, wie die Akustikgitarre. Ich vermute die Funktion der meist kurzen Anekdoten über die Entstehungsgeschichte des angesagten Lieds ist es u.a., die Aufmerksamkeit des Publikums auf das Stück zu lenken und eine Verknüpfung zu schaffen zwischen der erzählten Lebensgeschichte des Künstlers und der aktuell erlebten Situation des Publikums.
Kontextinszenierung.
Zudem überbrückt die Geschichte die Distanz zwischen Erzähler und Zuhörer, da es sich dabei nicht um einen bloßen Vortrag handelt, sondern um einen dynamischen Erzählprozess, der auf der Kommunikation mit dem Publikum gründet. Vielleicht liegt hier eine Erklärung dafür, das die Gäste hinterher sagen, sie waren dabei, anstatt nur da.
Viele Singer/Songwriter-Stücke hören sich ähnlich an, sind oft leicht gut gelaunt bis melancholisch und immer ein wenig zu leise.

Die musikwissenschaftliche Forschungsfrage könnte lauten: Welche Funktionen hat die Ansage eines Singer/Songwriter-Stückes? Ist sie Teil des Stücks, wie z.B. bei At the Bottom of Everything von Bright Eyes? Oder was noch?

Rumgekommen

Mr. Finlay jedenfalls hat auf seinen vielen Reisen genügend Stoff für Anekdoten und Lieder gesammelt und die professionelle Routine, um damit gekonnt zu arbeiten. Der Wechsel von flapsigem Quatsch während der Ansagen hin zum Stimmwandel im Gesang erfolgte jedesmal überraschend und wirkte verzaubernd. Seine Bewegung auf der Bühne mal leicht zur Gitarrenschrummelei, mal mit intensivem Körpereinsatz, der sich in der Musik bemerkbar machte (Wer Live-Mitschnitte von z.B. Stevie Ray Vaughan kennt, weiß was ich meine.) Manche Posen eigneten sich perfekt für die Kamera. (Es könnte an seinen coolen Boots von Dayton liegen, aber ich habe die Vermutung, das wäre nur Marketing.) Nur war ich für die Posen mit meiner Handykamera zu langsam und eigentlich kümmerte ich mich mehr um das Musikhören.

Morgan Finlay beherrscht sein Instrument, seine Stimme und hat einen guten Draht zum Publikum. Für mich eine bemerkenswerte Begegnung.

Mal wieder auffällig war, dass das Publikum sitzen bleibt. Dabei gibt es so wunderbare Hörperspektivwechsel, wenn man sich bewegt. Und wenn der Typ auf der Bühne tanzt, darf man das selbst wohl auch. Mit Begleitung oder alleine. Nur sitzenbleiben muss man nicht.

The Power of Your Euro

Die Message des Abends hieß, nutze die Kraft Deines Euros. Er sagte, wir sollten unsere Euros für die Dinge aufwenden, die uns wichtig sind und uns bewusst machen, dass diese verwendeten Euros Wirkung haben.
Er bedankte sich damit bei allen Gästen und den vielen, die ihn in seiner IndieGogo-Crowdfundingkampagne unterstützten und die Aufnahme des Latitude-Albums samt Tour möglich gemacht haben.

Wer Morgan Finlay live erleben will und dafür seine Euros verwenden möchte, kann sich folgende Tourdaten merken:

Chemnitz 23.03
Aflenz 24.03
Wien 26.03
Leipzig 27.03
Berlin 28.03
Erlangen 29.03
Bonn 20.03
Hamburg 31.03
Hameln 01.04
Kiel 03.04
Bochum 04.04
Osnabrück 05.04
Köln 07.04

Wort des Tages

Gesichtsfeuchtigkeitscreme. Doppelhaushälfte.

Jeden Tag lernte Morgan bisher auf seiner Tour ein neues deutsches Wort, um seine Sprachkenntnis zu erweitern. Das scheint eine Angewohnheit von tourenden Künstlern zu sein, denn er ist nicht der erste, der mir davon erzählt. Dass es sich bei den Worten des Tages nicht immer um alltagstaugliche Konverstationsbausteine handelt, mag dahingestellt bleiben. Es geht offensichtlich um den witzigen Gebrauch einer fremden Sprache. So wie mit dem abominable squirrel.

Das Wort des Tages vom 20. März war: Dankbarkeit

Und damit bedanke ich mich bei Morgan Finlay für den wunderbaren Auftritt in kleiner gemütlicher Runde.

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