Samstag, April 19, 2008

ZDF Musical Showstar 2008

Nur eine kurze Notiz:

Vielleicht hat es der eine oder andere ja gesehen: im ZDF lief gestern das Finale einer Castingshow für Musicaldarsteller: ZDF Musical Showstar 2008
Ich verfolge die Castingshows nun seit dem ersten Pop Idol in England bis hin zu diversen SDJSOJFWEHNDCOSDHVOHERIOEJDOSFJKSHNWQKDNVAÖ??? von Stefan Raab und plane schon eine Castingshow für Jurymitglieder, in der Z.B.D.D.S.U.D.F. und andere Juryspezialisten, die keine Widerrede oder Kritik ertragen, mit professionellen Therapeuten an ihren Minderwertigkeitskomplexen arbeiten dürfen, um ihre Aggressionen nicht an Jugendlichen mit lobenswerten musikalischen Ambitionen auszulassen.
Mittlerweile werden auch Musicalbesetzungen im TV gecastet. Tarzan und Jane scheint zwar nicht so sehr der Brüller, dagegen brachte das ZDF als öffentlich rechtlicher Sender seit längerem mal wieder eine Show, die vollkommen als gutes und sehenswertes Fernsehen bezeichnet werden konnte.
Die Kandidaten wurden von Jury, Gästen und Moderator mit Respekt und Würde behandelt, die Stimmung war ausgelassen und heiter und die Stimmen, der Gesang und die Darstellung der Kandidaten einfach ganz große Klasse!
Zudem gab es keine lästigen Werbeunterbrechungen, in denen man dazu genötigt wurde, für seine Wunschkandidaten anzurufen und dem Sender für jeden Anruf nen halben Euro in die klingelnden Taschen zu werfen.

Ich bin zwar von dem Musical Starlight Express, für das eine neue Hauptrollenbesetzung gesucht wurde, nicht begeistert, aber das ist auch egal, denn für die Kandidaten gilt: dabei sein war schon eine ganze Menge und die Publicity und das gewonnene Selbstvertrauen und die von Jury, Gästen und Publikum zugesprochene Anerkennung (alles Dinge, die ihn anderen Castingshows versagt bleiben...) dürften für weitere Schritte auf eine musikalischen Laufbahn motivieren.
Zu guter Letzt schien Deutschlands weltbester Moderator Thomas Gottschalk in seiner Aufgabe aufzublühen und wirkte 20 Jahre jünger. Wahrscheinlich war diese sehr anspruchsvolle Sendung eine willkommene Abwechslung für das abgegriffene Format von Wetten, dass...?
Thomas... Ich fand Dich großartig! Mach bitte weiter so! Deine Moderation beim Musical Showstar 2008 war weltspitzenklasse!
Und zu aller guter Letzt: Mir ist der Kerl ja schon bei "Wetten, dass...?" aufgefallen, aber bei dieser Castingshow hat er mich überzeugt:
Rolando Villazon! Mit Abstand der sympathischste Opernsänger der Welt! Für weiteres fehlen mir die Worte. Ich werde wohl doch noch irgendwann in die Oper gehen...

Mit bestem Dank an das ZDF! - - - Privatsender suck!

Wer sich auch mal an einem Casting beteiligen will, kann ja mal bei der Casting Agentur klicken...

Viel Spaß und Erfolg! Aber lasst Euch nicht von der Jury kleinreden!

Kommentare:

Nirneve hat gesagt…

Also meine Mutter und ihr Freund, die mittlerweile zu großen DSDS Fans mutiert sind, fanden die ZDF Show ausgesprochen langweilig. Eine Show davon durfte ich mir letzte Woche auf Usedom auch ansehen und ich muss sagen, auch wenn ich Bohlen und Co's ständiges Niedermachen und Verarschen nicht so recht leiden kann, emfand ich das beim ZDF als krasses Gegenteil: da gabs dann überhaupt keine Kritik sondern nur Lobhudelei - und wenn der Glatzkopf mal ein kleines, harmloses Wörtchen der Kritik fallen ließ, wurde er direkt von allen Seiten böse angeschaut und ausgebood - wie soll man denn aus seinen Fehlern lernen, wenn man auf diese gar nicht hingewiesen wird? War ein bischen wie im Kindergarten: nur ein sanftes "hattu gut gemacht".
Bohlen hat mal gesagt, das Musikbusiness ist ein hartes Geschäft, womit er meiner Meinung nach durchaus recht hat, und er wolle die Kandidaten durch seine harte Art darauf vorbereiten. Beleidigungen erscheinen da vielleicht gemein, aber härten vielleicht auch ein wenig ab - und wers nicht abkann, der kann den ganzen Showbiz vielleicht eh nicht verkraften. Außerdem hat die Reaktion meiner Mutter & Freund mal wieder bewiesen, dass das Publikum ein wenig Biss will und keine seichte Lobeshymne - das ist dann vielleicht eher was für die ältere Generation.
Gottschalk fand ich übrigens nicht jünger, sondern älter und voller lahmer Witze - der sollte mal in Rente gehen.
Und Starlight Express ist toll - da war ich in meiner Kindheit ein so großer Fan von, dass ich nicht nur alle Lieder auswendig konnte (kann ich zum Teil wohl heute noch :), sondern auch meine Eltern so sehr beschwatzt habe, dass wir gleich zweimal drin waren. Nur selber Rollschuh fahren mochte ich nie...

lars_alexander hat gesagt…

So sehr gehen die Meinungen also auseinander :o)

Der Dieter Bohlen hat mit seiner Äußerung durch aus recht. Und wer über eine Castingshow in einen gewissen Bereich des Musikgeschäfts einsteigen will, der ist bei ihm sicher gut aufgehoben. Dagegen will ich garnichts sagen.
Ich hab auch nichts gegen Kritik, aus deren Reflexion man lernen kann. Ich hab bisher nur in keiner Castingshow ein Jurymitglied gesehen oder gehört, das in der Lage war eine Kritik für den Kandidaten individuell und angemessen (und überhaupt irgendwie brauchbar)zu äußern.
Das Sendungsformat lässt das auch nicht zu, denn die Zuschauer wollen anscheinend diese überspitzte Härte seitens der Jury.

Wozu soll diese Härte gut sein? Ich nehme an, ein Großteil der Leute aus dem Publikum wären/sind nicht begeistert, wenn/dass ihre Lehrer sie beleidigen und als unbegabt in den Fächern Mathe, Deutsch, Physik usw. abstempel(te)n.
Aber in Bezug auf Kunst und Musik kann da ein Haufen narzistisch gestörter Tänzer, Produzenten und Musiker in eine Jury gehen, die über sogenanntes Talent und Fähigkeit von einzelnen richtet?

Weder didaktisch noch pädagogisch halte ich die Castingshows für brauchbar. Auch wenn da eingewandt wird: Die Sendung castet öffentlich für einen neuen Music Act und ist keine Schulveranstaltung. Über gewisse Konsequenzen sollten die sich mal Gedanken machen. Denn da werden Jugendliche gezwungen, ohne zu hinterfragen das endgültige Urteil einer Jury anzuerkennen.

Klar gibt es am Ende einige Kandidaten, die von den Sendungen profitierten und manche von denen werden die Schikanen dankbar als notwendiges Übel oder reinigende Kasteiung auf dem Weg in den Himmel akzeptieren.
Das ist aber Willensbrechung. Und diese Scheiße, die nun seit Zeiten schon in der Schule angewandt wird, kommt ins Fernsehen um rückwirkend die Situation in der Schule zu legitimieren... oder was?

Ich wage außerdem zu bezweifeln, dass die bisherigen Jurymitglieder einem ähnlichen Schiedsgericht standhalten würden. Von denen können manche keine Satz alleine aussprechen, andere plustern sich auf und brüllen mit ihrer Drill Seargent Stimme und allesamt ertragen sie es nicht, dass Kritik von der anderen Seite ihres Richtertisches kommt: vom "Kandidaten".

Wie in der Schule.

nirneve hat gesagt…

"Wozu soll diese Härte gut sein? "

Um Zuschauerzahlen zu bringen ;)

Die Jurymidglieder befinden sich nun mal in einer gewissen Machtposition - und sowas erlag schon immer der Gefahr, schnell ausgenutzt zu werden. Das die keine endgültigen Wahrheiten verkünden, sollte im Prinzip klar sein - ist es aber in solchen Situationen leider oft nicht. Und ich mein, wer wagt schon einen Lehrer zu kritisieren, der sich schon viele Jahre länger mit dem Stoff beschäftigt und diesen (im Idealfall) auch studiert hat... zumindest gibt es hin und wieder ein paar Überflieger, die es besser wissen (oder zumindest glauben, es besser zu wissen) und die Lehrer vielleicht mal ein wenig von ihrem Überpodest runter holen...
Hatten gerade am Frühstückstisch auch eine kleine Diskussion über Castingshows - dabei gings allerdings eher um die Ausbeutung der Kandidaten - was wohl ein anderes Thema ist, aber bestimmt eins, bei dem wir uns einig sein können :)

lars_alexander hat gesagt…

Was die Ausbeutung der Kandidaten betrifft, werden wir uns sicher einig sein :o)

Die Härte ist dafür da, um Zuschauerzahlen zu bringen. Das versteh ich auch so.

Dass die keine endgültigen Wahrheiten verkünden ist vielleicht "prinzipiell" klar, aber leider nicht im konkreten Fall - in den sehr vielen konkreten Fällen.
Und die Definitionsmacht, die die Jury als Jury hat, verdeckt deren eigentliche Inkompetenz.
Aber es reicht ja jede Kritik von außen zu zerschmettern, indem mit Nachdruck darauf hingewiesen wird, das die Jurymitglieder in der Jury sitzen und die Kandidaten vor dem Richtertisch stehen. Legitimation durch Tautologie.

Wann werden wenigstens die Studierenden mal begreifen, dass der einzige Unterschied zwischen ihnen und den Professoren die Position im Hörsaal ist?

Anonym hat gesagt…

Lieber Lars-Alexander,

vielen Dank für Ihren Blogeintrag. Ich fühle mich geehrt. Der größte Dank gilt allerdings den hervorragenden Darstellern.
Grüße aus Malibu!

Ihr Thomas