Dienstag, März 25, 2008

amerikanische Fantasien

Dank StumbleUpon bin ich auf eine Seite gestoßen, die mich einem Genre des amerikanischen Films näher brachte, das ich bisher bewußt vernachlässigt hatte. Allerdings konnte ich mir im Zusammenhang der Arbeit an meinem eigenen Zombieschundroman nicht verkneifen, doch ein paar Streifen anzusehen - erstmal welche ohne Zombies.
Was ist es nun, das - aus meiner beschränkten Sicht - den amerikanischen Horrorfilm ausmacht?

Junge Leute fahren mit dem Auto durch die USA, kiffen, knutschen, baden in Bikinis, flirten, vögeln, halten in irgendeinem heruntergekommenen Nest, die erste Person stirbt, dann werden die nächsten ein, zwei, drei, vier jungen Leute von ein bis zwei hünenhaften, entstellten Kerlen ermordet, die anderen fliehen, die Polizei kommt in Form eines einzelnen Sheriffs, der die bisherigen Überlebenden in ein Motel/Hotel/Haus fährt, um zu telefonieren, dann werden die Überlebenden mit einem vergifteten Getränk von einer seltsamen Frau betäubt, wachen daraufhin gefesselt auf und stellen fest, dass der Polizist mit den Mördern unter einer Decke steckt, nein! Er steckt auch noch mit dieser alten Frau (seiner Mutter) unter einer Decke und die entstellten Mörder sind seine Söhne! Je nach Film/Regisseur/Besetzung überleben ein bis drei der jungen Leute, können die Mörder/den Sheriff/die seltsame Frau/alle umbringen und fliehen. Am Ende kommt noch irgendein Schockeffekt: einer der Hünen wurde nicht ganz getötet, sondern nur schwer verletzt, und der macht sich auf den Rachefeldzug und bereit für die Fortsetzung.

Im allgemeinen läßt sich feststellen, dass blonde junge Frauen in Jeans und weißem Top und mit großem (aber nicht zu großem) Busen den Film am ehesten überleben. Alle anderen sind Beiwerk, Futter, Shreddermaterial.
Sexszenen kommen direkt nach Mord- und Splatterszenen und Mordszenen direkt nach Sexszenen. Sexszenen sind niemals so explizit wie Mord- und Splatterszenen. Finger werden mit der Zange abgekniffen, Schädel werden eingeschlagen, Blut spritzt literweise, Leichen werden gefilmt, Leid und Elend werden gezeigt, aber keine intimen Küsse oder wirklich eindeutige (und erotische) Szenen. Abgesehen von Vergewaltigungen, die sind dann wieder deutlicher dargestellt.

Es gibt auch andere Filme, in denen irgendein sehr intelligenter/durchgeknallter Serienkiller unterwegs ist und sich als Richter über das Leben anderer inszeniert, indem er sie in furchtbare Situtationen bringt und Spiele mit ihnen spielt, als Strafe für irgendwelche moralischen oder sittlichen Delikte - aber nein! Nicht als Strafe, sondern als Angebot, als Chance, das eigene Leben noch einmal zu bedenken, umzukehren, Buße zu tun, neu und besser anzufangen! (Sowas hört man mitunter auch von Schulpädagogen...) Die wenigen, die es schaffen aus dem mörderischen Spiel als Sieger (und nicht selten auch selbst als Mörder) hervorzugehen, fühlen sich dann auch gleich viel besser, und wollen ihr Leben ganz neu beginnen. Das muss wohl ein Wesenzug aller Bekehrung, die auf Willensbrechung begründet ist, sein: Sich seinen Peinigern gegenüber auch noch dankbar zu zeigen...

Ich frage mich und andere, was denn nun die Faszination des beobachteten Grauens sein soll? Und weshalb ist es so tief in unserer Filmkultur verankert, dass Mord, Grauen und Folter so bereitwillig in Filmen konsumiert werden, aber die explizite Sexszene, die ja durchaus als Ausdruck von tiefer Liebe, wenigstens aber als sehr menschlicher und gesunder Zeitvertreib dargestellt werden könnte, keinen Platz hat und als moralisch und sittlich verwerflich verachtet wird?
Warum ist es nicht andersrum, dass die täglichen Spielfilme voll interessanter, lustiger, lehrreicher, liebevoller, komischer, wilder, ekstatischer Sexszenen sind, die Mord-und Splatterszenen aber drastisch gekürzt und nur angedeutet sind (falls es überhaupt welche gibt) bzw. ganz auf ein eigenes Genre verschoben werden, für das man in schmuddelige Videotheken gehen muss?
Im übrigen könnten solche Erotikzenen zum Nachmachen animieren, was für die Splatterfilme ja besser nicht gelten sollte...

Ich frag weiter.

Abwechslung und Anregung findet Ihr hier... :o)


Kommentare:

SirJonny hat gesagt…

Du hast mir gerade soo aus der Seele gesprochen :)

Auch ein Grund für "twisted personalities" glaube ich...

lars_alexander hat gesagt…

:o)

...sicher auch so ein Grund...

Ich werde noch einen Vergleichsartikel über bestimmte Actionfilme und solche Horrorstreifen schreiben.
Da gibt es ja definitive Unterschiede zwischen der Perspektive der Erzählung und des Zuschauers. In den meisten Actionfilmen schaut der Zuschauer dem Protagonisten zu, wie er "Die Bösen" abknallt (z.B. Shoot'em Up!) - in den Horrorstreifen schaut der Zuschauer zu, wie "Die Guten" massakriert, gefoltert, zerhackt und aufgehangen werden...

lars_alexander hat gesagt…

Wenn ich's mir recht überlege... viel mehr gibt's zu dem Thema erstmal nicht zu sagen :o)

Vielleicht ein andermal.

Ronny hat gesagt…

Ich... *schluck*... ich glaube ich brauche Hilfe....:-)

lars_alexander hat gesagt…

Wobei genau? Du klickst einfach auf den Link ganz am Ende und überläßt den Rest Deinem Instinkt. :o)